Autor des Monats: Wladimir Rafejenko

Diesen Monat möchten wir Ihnen bei translit die Übersetzung eines Auszug aus Rafejenkos Werk Wladimir RafejenkoDescartes’ Dämon von Stefan Heck präsentieren:

Als Direktor eines Stahlwerks hat man es nicht leicht. Besonders wenn das Unternehmen einerseits die ganze Stadt ernährt, andererseits gesundheitsgefährdend ist. Irgendwann wirst du eins mit diesem Monstrum und begreifst: Du kannst nicht mehr ohne, es ist Teil deines Lebens. Und wenn dann jemand Andeutungen macht, das Werk könnte geschlossen werden, die Anlagen könnten veröden, und in der einstmals glühenden Stadt, der Stadt der klugen Maschinen und starken Menschen, werde von nun an der Wind pfeifen, – da wird dir unwohl. Du liegst nachts wach, weinst, grübelst. Das tut in der Seele weh! Du kannst ihnen gar nicht in die Augen schauen, den Meistern und Schichtleitern, den Walzern und Buchhaltern, den Mechanikern und Technikern. Die Werksversammlungen werden dir zur Last. Aus Gewohnheit verlangst du Berichte, fluchst sogar, kümmerst dich um jedes Detail des komplexen Produktionsablaufs, und doch lässt dich der nagende Gedanke nicht los – das Werk stirbt! Und wenn du so an deinem Stahlwerk hängst wie Alexandr Degtjarow, dann geht das nicht spurlos an dir vorüber. Das Stahlwerk selbst weist den Ausweg. Wenn du es schon nicht retten kannst, soll es wenigstens nicht umsonst untergehen!

Lesen Sie weiter