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Tsilyk-Hilky - Ganna Kostenko

Tsilyk-Hilky - Ganna Kostenko

Odesa – Perle, Mythos, Sehnsuchtsort. Zu viel des Guten? Eine Nummer kleiner gefällig? Gut,
dann probieren Sie den hier: Odesa ist Weltliteratur. Darunter machen wir’s nicht. Denn seit
Isaak Babels „Geschichten aus Odessa“ ist die Stadt am Schwarzen Meer von der literarischen
Weltkarte nicht wegzudenken, ebenso wenig wie Grass‘ Danzig und Faulkners Yoknapatawpha
County. Ganna Kostenko (*1988) aus Odesa gehört zu den jüngeren und weniger bekannten
Stimmen der ukrainischen Gegenwartsliteratur. „Tsurky-Hilky“ erschien im Original bereits
2017 und beschreibt, wie Babel zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nicht die funkelnde Stadt der
reichen Kaufleute, sondern taucht ein in die Welt der Abgehängten und Kleinganoven, in die
ärmliche Moldawanka, wo sich zaristische, sowjetische und ukrainische Geschichte überlagern
und die kosmopolitische Metropole am Schwarzen Meer zu einem schattigen, von bröckelnden
Häusern umstellten Hof schrumpft.
Ganna Kostenkos Text hat keine lineare Handlung, sondern kreist, Zeitsprünge inklusive, um den
Hof und seine Bewohner, deren Geschichten immer wieder miteinander in Berührung kommen.
Ein verspielter Text, eine jazzige Improvisation, die Odesa als Ort von weltliterarischem Rang
fortschreibt.

Aus dem Ukrainischen von Jakob Walosczyk.
110 S.
Schenk 2025.