Wladimir Rafejenko

Descartes’ Dämon. (Auszug)

Als Direktor eines Stahlwerks hat man es nicht leicht. Besonders wenn das Unternehmen einerseits die ganze Stadt ernährt, andererseits gesundheitsgefährdend ist. Irgendwann wirst du eins mit diesem Monstrum und begreifst: … Weiterlesen

Halyna Kruk

Wir sind alle ZUTIEFST beunruhigt …

Wir sind alle ZUTIEFST beunruhigt, liebes Europa, einige wurden sogar ermordet. Lösch ruhig weiter die brutalen Youtube-Filme, deine Bürger verkraften die Bilder nicht. Einige von uns werden dich nicht mehr … Weiterlesen

Jurij Izdryk

Levels of Lviv

Als ich 2003 nach einer mehrjährigen Pause nach Lwiw kam, war die Stadt nicht wiederzuerkennen. Es gab eigentlich gar keine Stadt mehr. Der infernale Virus, ein Bote der Apokalypse, vor … Weiterlesen

Halyna Pahutjak

Der Diener aus Dobromyl

Der Schnee schmolz nur langsam. Am Nordhang der Berge hielt er sich sogar bis Anfang April. Wind und Regen verdrängten schließlich die graue, vereiste Substanz, und Oleksij Iwanowytsch, Chefarzt des … Weiterlesen

Maria Matios

Darina, die Süße

„Maria, die Georginen, von wem habt Ihr die? Die sind so schön voll, und wie die leuchten!“, rief Wasjuta ihrer Nachbarin über den Zaun hinweg zu. „Was hab‘ ich meine … Weiterlesen

Jurij Wynnytschuk

Der Todestango

Das alte zweigeschossige Gebäude an der Klepariwska trug noch die Gerüche aus der Zwischenkriegszeit in sich, sie hatten sich auf ewig in den abgeblätterten Putz, in die ramponierten Fensterbretter und Rahmen eingefressen, die Treppen ächzten bei jedem Schritt melancholisch, die hatten bestimmt einiges erlebt bei ihrem Alter – deutsche Soldaten, die die Treppen rauf und runter trampelten und Juden suchten, Tschekisten, die die Treppen rauf und runter trampelten und Widerständler suchten, und die einen wie die andern führten jemanden mit vorgehaltenen Maschinenpistolen zur Hinrichtung ab, und die Treppe seufzte mitleidig und ächzte und stöhnte, und lange noch spiegelten sich die verschwundenen Menschen verschwommen in den Fenstern, ihre entsetzten Gesichter, ihre verängstigten Augen, all die Verzweiflung und Angst, doch auch Wut, Feindschaft, und an den Wänden blühten noch lange die Abdrücke ihrer Hände. Weiterlesen

Vasyl Koželjanko

Die Silberspinne

(Anfang) Im Frühling 1938 lief die Unruhe Streife in Czernowitz wie ein eifriger rumänischer Gendarm, der jederzeit und überall sein will, um auch in den entlegendsten Ecken dieser „seit eh … Weiterlesen

Julia Musakowska

namen verlassen die festungen

namen verlassen die festungen meiner epiloge namen durchbohren den himmelsrand mit ihren gefiederten körpern ich weiß ihre zahl nicht mehr du hast diese schar absichtlich aufgescheucht ihr redseliges gefieder wird … Weiterlesen